Pilz-Vergiftung

Die letzte Saison war regnerisch, und das Winterlager im Freien war auch nicht gerade eine Trockenperiode fürs Boot. Besonders die Kuchenbude über dem Cockpit hat gelitten. Schnee, Regen und Schwitzwasser haben dem Tuchaufbau zugesetzt. Kein Wunder, dass auf der Innenseite die Stockflecken blühen und den Stoff völlig mit schwarzem Schimmel überziehen. Woher das kommt? Boote sind grundsätzlich beliebte „Ausflugsziele“ für Schimmelpilze. Hier finden die Vermehrungszellen des Schimmels, die Sporen, ideale Lebensbedingungen: Feuchtigkeit und Schmutz. Kein Wunder, dass die in der Luft millionenfach vorkommenden Pilzsporen sich liebend gern an der Kuchenbude festsetzen, um dort ganze Schimmelstädte zu gründen. Auch wenn Schimmel im Kinoklassiker „Das Boot“ als „edles Gewächs, als eine Art von Hyazinthen“, bezeichnet wird: Den normalen Sportschiffer stören die Stockflecken unter der Plane erheblich. Zum einen sind die schwarzen Flecken unansehnlich, zum anderen gehen von den nur Mikrometer großen Pilzsporen gesundheitliche Risiken aus. So können Schimmelpilze allergische Reaktionen wie Schleimhautreizungen oder Asthma auslösen (siehe Interview mit Dr. Keller und Dr. Senkpiel). Gute Gründe, vor dem Saisonstart die Kuchenbude wieder auf Vordermann zu bringen. Wer sich die Sache einfach machen will, bringt den Tuchaufbau zum Profi. Verdeckbauer, Segelmacher und ähnliche Berufsgruppen reinigen, entspaken und imprägnieren Verdecke zuverlässig und gut. Allerdings sind für diesen Service, je nach Größe des Verdecks, einige hundert Euro fällig. Ein „schöner Schluck aus der Pulle“, und das zu einer Zeit, wo noch andere Anschaffungen fürs Boot ins Haus stehen. Aber es geht auch preiswerter im „Do it yourself“-Verfahren. Hierfür vertreiben beispielsweise die Verdeckbauer Oeverdiek und Heinritz in Heiligenhafen einen speziellen Stockfleckentferner, den auch der Laie anwenden kann. Das Wundermittel der Norddeutschen kommt aus Norwegen und heißt „Sagens“. Kostenpunkt: 23 x für die 0,75-l-Flasche (weitere Produkte und Anbieter finden Sie auf der nächsten Seite). Die reicht für etwa 6 m2 verschimmeltes Ver- deck aus Kunstfaser. Andere Materialien, wie Mischgewebe oder Baumwollfaser, werden durch den Sagens-Reiniger gebleicht oder im schlimmsten Fall zerstört. Allerdings sind fast 90 % aller Bootsverdecke aus Kunstfasern gefertigt, nur wenige Verdeckbauer verwenden noch Naturstoffe. Wer sich nicht sicher ist, aus welchem Material seine Kuchenbude besteht, fragt beim Hersteller nach oder sucht sich ein unscheinbares Eckchen, um den Pilzkiller vorsichtig zu versuchen. Behält der Stoff Farbe und Festigkeit, kann’s auf großer Fläche losgehen. Grundvoraussetzung ist ein gut belüfteter Raum, denn als Wirkstoff gegen den Schimmel sind Chlorverbindungen im Einsatz. Also: Fenster auf und Gummihandschuhe an. Die weiteren Arbeitsschritte können Sie der Bilderfolge entnehmen. Unser Probelauf mit dem Schimmelkiller war auf jeden Fall ein voller Erfolg. Nach dieser Antischimmelkur lohnt es sich, die gereinigten Fasern neu zu imprägnieren. Das lässt Regenwasser abperlen und macht es Schmutzteilchen schwer, sich an den Fasern festzuhalten. Auch für diesen Zweck gibt es im Fachhandel spezielle Mittel. Beispielsweise Sagens-Imprägnierer, 1-l-Flasche 28 x (auch hier sind weitere Produkte auf dem Markt). Dieser wird pur per Schwamm auf das gereinigte Tuch aufgetragen und ist nach dem Trocknen sofort wirksam. So gerüstet kann die nächste Regenzeit kommen. Damit nicht gleich neue Schimmelpilze den Tuchaufbau erobern, sollte man von Zeit zu Zeit das Verdeck von außen und innen abschrubben. Dafür eignet sich grüne Seife. So wird den Sporen der Nährboden entzogen. Ferner hilft lüften. Wenn die Luft zirkuliert, können die Pilzsporen sich nicht festsetzen. Ein Grund, warum Bewohner von modernen, hermetisch abgeschlossenen Niedrigenergiehäusern oft über Allergien klagen. Jede Ritze, jeder Spalt wird abgedichtet, und die Sporen können es sich in aller Ruhe gemütlich machen. Für mehr Durchlüftung der Kuchenbude sprechen Sie Ihren Verdeckbauer an, ob er zusätzliche Lüftungsklappen oder Schlitze am Verdeck anbringen kann. Profis arbeiten bei solchen Einlässen mit Klettbändern und Fliegengittern. Diese halten die Zwangsöffnungen frei und Ungeziefer ab. Quelle: Boote


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