Von Bord ins Netz
 Ein schöner Törntag geht zu Ende: Einlaufen in den Hafen, Festmachen, Landgang. Stellt sich nur noch die Frage nach dem Restaurant für das gemütliche Abendessen. Den Vorschlag aus dem Törnführer kennt man schon vom letzten Jahr. Also, was gibt es sonst noch, und wie kommt man hin?

Ganz einfach: Ein schneller Blick ins Internet hilft weiter. Und wo man mal dabei ist, kann man gleich noch nach E-Mails schauen, den Wetterbericht checken und sich die Ergebnisse der Bundesliga auf den Schirm holen.Moment mal. Internet an Bord? Im Hafen? Kein Problem!

Seit diesem Jahr ist das Surfen vom eigenen Laptop in immer mehr Marinas möglich – bisher sind es 34. Dahinter steckt „wireless local area network“-Technik, besser bekannt als WLAN. Auf gut Deutsch: kabellos vor Ort ins Netz.In vielen Städten gibt es WLAN-Zugangsstellen, die so genannten „Hotspots“, schon fast an jeder Ecke, etwa in Cafés, Bahnhöfen und Einkaufspassagen.

Warum also nicht auch in Yachthäfen? BOOTE hat die Entwicklung beobachtet, die Netze getestet und beantwortet die wichtigsten Fragen für den kleinen Schritt von Bord in die weite Online-Welt.Wie WLAN im Hafen funktioniert, ist schnell erklärt.

An einer zentralen Stelle der Marina (wie etwa der Hafenmeisterei) wird eine Basisstation mit Antenne aufgebaut. Das Gerät stellt dann per Funk die Verbindung zwischen Laptop und Internet her. Der Sicherheitsstandard IEEE 802.11b sorgt dabei dafür, dass auch Geräte verschiedener Hersteller miteinander kommunizieren können – eine entscheidende Grundlage für die stetig wachsende Verbreitung von WLAN.
Was man braucht: Viele Laptops auf dem Markt verfügen inzwischen über einen internen WLAN-Adapter. Andere Geräte können extern nachgerüstet werden. Dafür gibt es zwei Varianten: Eine Adapter-Steckkarte bietet sich an, wenn der Rechner bereits mit einem PCMCIA-Slot ausgerüstet ist.

Ist das nicht der Fall, gibt es auch Geräte, die per USB-Kabel angeschlossen werden können. Sie sind nicht ganz so praktisch wie die Platz sparenden Steckkarten. Vom Preis her liegen beide Adapterarten mit etwa 80 Euro aber im gleichen Bereich. Wird der Laptop eingeschaltet, „sucht“ der Adapter in der Regel automatisch nach einem WLAN-Netz. Empfängt er Signale von einem „Hotspot“ in der Nähe, muss man nur noch den Browser öffnen und landet umgehend auf der lokalen Internetseite des Netzbetreibers. Oft gibt es hier bereits kostenlose Hafen- und Wetterinformationen. Wer weiter ins Internet will, muss sich anmelden und – spätestens jetzt – auch zahlen.
Ebenso wichtig für die Popularität der örtlichen Funknetze ist aber, dass immer mehr Laptops von Haus aus mit einem internen WLAN-Adapter ausgestattet sind. Auch die technische Nachrüstung – falls nötig – stellt inzwischen für den Anwender kein Problem mehr dar (siehe Kasten).Aufgestellt werden die Basisstationen und Antennen in den Marinas von verschiedenen Firmen.

In Deutschland sind das bisher vor allem LAN1 und WLAN international aus Hamburg sowie der Münchner Anbieter GlobalAirNet. Die Kosten – je nach Sendestärke von etwa 1500 bis 3000 Euro pro Anlage – werden entweder zwischen Hafen- und Netzbetreiber aufgeteilt oder gänzlich vom Letzteren übernommen.Was der Abstecher ins Internet für den Skipper kostet, hängt von den Nutzungsgebühren der WLAN-Anbieter ab. So ist der einmalige 30-Minuten-Login bei GlobalAirNet für 5 Euro zu haben, 120 Minuten kosten 10 Euro. Die Prepaid-Karte im entsprechenden Wert (auch „Voucher Card“ genannt) gibt es in der Regel beim Hafenbüro. Sie verrät Kennwort und Passwort für den Internetzugang. Sekundengenaue Abrechnung und ein Saisonticket werden bei GlobalAirNet derzeit vorbereitet.Die beiden anderen Anbieter rechnen schon sekundengenau ab: Bei LAN1 bekommt man das 60-Minuten-Zeitkonto für 3 Euro (Prepaid-Karte), bei WLAN international für 4,95 Euro (Kreditkarte). Beide Betreiber bieten zusätzlich Staffeltarife bis hin zum mehrmonatigen Ticket an.Der Vorteil der Zahlung mit Kreditkarte: Man ist nicht auf die Öffnungszeiten der Verkaufsstelle der „Voucher Cards“ angewiesen. Deren Vorteil besteht wiederum darin, dass keine umfangreiche Online-Anmeldung zur Verifizierung der Nutzerdaten nötig ist. Zudem kann bar bezahlt werden.

Die entscheidende Frage neben dem Preis ist jedoch, ob das Netz auch hält, was es verspricht. Ist WLAN hafentauglich? BOOTE hat vier Marinas getestet: ancora in Neustadt/Holstein, den Lübecker Yachtclub in Travemünde (beide LAN1), Meichle und Mohr in Kressbronn am Bodensee und den Hamburger Yachthafen in Wedel (beide WLAN international). Das Ergebnis: überwiegend positiv. Die Netzreichweite war in allen Fällen absolut ausreichend. In den großen Häfen wie Wedel und Neustadt hatten auch die von der Antenne weiter entfernten Liegeplätze noch guten Empfang – wichtig angesichts der Tatsache, dass die Stege für Gastlieger selten zentral liegen. Bei der Übertragungsgeschwindigkeit gab es ebenfalls keinen Grund zur Klage:

Da WLAN die Daten bei optimalen Bedingungen über 150-mal schneller als ISDN übermitteln kann, funktioniert die drahtlose Verbindung auch bei hoher Auslastung wie in der Hochsaison noch gut genug. Beim BOOTE-Test ließen sich auch sehr große Dateien (etwa hochauflösende Fotos) immer flüssig herunterladen.Abstriche mussten lediglich bei der Anwenderfreundlichkeit gemacht werden: Während der Zugang von LAN1 mittels Prepaid-Karte schnell und problemlos verlief, dauerte die Anmeldung bei WLAN international mit Kreditkarte schon etwas länger: So muss zunächst ein Guthaben eingerichtet werden, von dem dann wiederum ein Zeitkonto gekauft wird. Allerdings will auch WLAN international demnächst an allen Standorten Prepaid-Karten anbieten. Bei unserem Test waren sie in Wedel und Kressbronn noch nicht erhältlich.

Noch ein Wort zur Vielfalt der Anbieter. Zwar funktionieren die Karten eines Netzbetreibers in allen von ihm ausgestatteten Marinas. Wer aber von Grömitz (LAN1) über Heiligenhafen (GlobalAirNet) nach Wendtorf (WLAN international) fährt und in keinem der Häfen auf Internet verzichten möchte, muss schon heute eine bunte Auswahl an Prepaid-Karten, Benutzerkonten, Pass- und Kennwörtern bereithalten. Da sich nicht nur die Zahl der maritimen „Hotspots“, sondern auch die der Betreiber künftig noch erhöhen wird, sollte das Depot für Plastikkarten auf Zuwachs ausgelegt sein. Wer die Vorteile einer schnellen Online-Verbindung auch an Bord zu schätzen weiß, wird diesen Nachteil jedoch gern in Kauf nehmen.

Quelle: Boote

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