Neue Regeln nicht die Bibel
 Nur um Haaresbreite schrammte die Pressekonferenz der Kroatischen Zentrale für Tourismus während der Düsseldorfer „boot“ an einem Eklat vorbei: Nicht die kurz zuvor in Kraft getretenen Neuregelungen zur Einreise und dem Aufenhalt ausländischer Boote und Yachten in kroatischen Gewässern und zur Vercharterung standen im Mittelpunkt der kroatischen Präsentation, sondern der Stand des Autobahnbaus und Allgemeinplätze zur Entwicklung des Tourismus’ in Kroatien.

Nur beiläufig erwähnte der für Tourismus zuständige Staatssekretär Zdenko Miãiç, dass Kroatien neue Verordnungen verabschiedet habe, mit denen „schwarze Charter“ wirkungsvoller bekämpft werden solle.

Kein einziges Wort zu Details der Verordnung, die mit der Einführung einer Vignette anstelle des bisherigen „Permits“ alle nach Kroatien einreisenden Bootseigner zwingt, schon bei der ersten Anmeldung des Bootes eine „namentliche Liste der Personen“ zu erstellen, „die sich in der Gültigkeitsdauer der Vignette auf dem Wasserfahrzeug ... aufhalten und an einer Schifffahrt teilnehmen dürfen“.

Auf Deutsch: Ein Bootseigner soll bereits bei der Anmeldung des Bootes für ein ganzes Jahr lang festlegen, welche Personen berechtigt sein sollen, zur Crew des Bootes zu gehören. Die Zahl der anzumeldenden Personen „darf nicht höher sein, als die doppelte für dieses Wasserfahrzeug zugelassene Anzahl der Personen“.

Dass diese lebensfremde und im Detail unzureichend durchdachte Regelung erheblichen Diskussionsbedarf hervorrief, war von den Veranstaltern offensichtlich nicht bedacht worden. Maja Markovãiç Kostelac, leitende Mitarbeiterin des Ministeriums, war mit den auf sie einprasselnden Fragen offensichtlich überfordert. So blieb beispielsweise offen, wie denn vom Hafenkapitän die „maximal zulässige Personenzahl“ eines Bootes ermittelt werden kann, da diese Zahl weder in deutschen Bootsdokumenten ausgewiesen wird noch Herstellerangaben darüber vorliegen, wenn das Boot vor Einführung der CE-Zertifizierung gebaut wurde.

Die „Lösung“ von Markovãiç Kostelac: „Dann müssen die Mitarbeiter des Hafenamtes eben die Kojen zählen.“ Dass aber die Kojenzahl mit der „maximal zulässigen Personenzahl“ eines Bootes nichts zu tun hat, war der Juristin offensichtlich nicht geläufig. Je drängender die Fragen, um so ausweichender die Antworten: „Wir werden das alles flexibel und unbürokratisch handhaben“, wehrte Markovãiç Kostelac bohrende Fragen der Journalisten ab.

So könne beispielsweise die Personenliste auf Antrag des Schiffseigners über den Hafenkapitän geändert werden. Dass dies laut Verordnung aber nur „ausnahmsweise“ und nur dann möglich ist, wenn der Hafenkapitän „den Antrag als berechtigt bewertet“(!) und „dem Ministerium (zur Bewilligung) unterbreitet“, bewertete Kostelac als unproblematisch. Auf die Frage, wie lange das denn dauern solle, gab sich die Juristin optimistisch: „In der Regel einen Tag.“

Der polemische Zwischenruf, ob denn im Ministerium deshalb auch am Wochenende gearbeitet werde, verhallte unbeantwortet. Auf die Frage, ob sie glaube, dass die massiven Beschränkungen der Verfügungsrechte des Eigners mit EU-Recht in Einklang zu bringen seien, sagte Kostelac: „Das ist für uns ohne Bedeutung. Wir sind ja nicht Mitglied der EU.“ Spätestens jetzt begann es im Auditorium zu brodeln.

Ein Teilnehmer rief zum Verlassen der Pressekonferenz und zum Boykott der Einladung zum Kalten Buffet auf. So weit kam es nicht: Niko Buliç, Chef aller kroatischen Tourismuszentralen aus Zagreb, erkannte die verfahrene Situation und erklärte: „Die Verordnung ist nicht die Bibel. Wir können die Regelungen auch wieder ändern.“ So nahm die Pressekonferenz nach knapp vier Stunden ein außergewöhnliches Ende: Mit dem Versprechen der kroatischen Seite, für den 10. Februar eine aus Journalisten und kroatischen „Touristikern“ bestehende Expertenrunde einzuberufen, um in Ruhe Möglichkeiten einer Neufassung der Verordnung zu diskutieren. Dass Kroatien auch den Betreibern von Charterbooten mit einer neuen Verordnung jede Menge bürokratischer Hürden in den Weg legt, war bis dahin nicht einmal diskutiert worden. Noch reichlich Zündstoff ...

Quelle: Boote

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